Piaffe

 

Leider gibt es in jedem Bereich immer mehr werdende negativ Beispiele einer Piaffe und deren Ausbildungsweg.....

 

Die Verbreitung von Bildern / Videos solch schädigender Bewegungen sollte (wie vieles andere auch!!!) verboten werden, zumindest dann, wenn es auch noch als positiv beschrieben wird.....man könnte doch einfach etwas wie „hey, noch nicht perfekt, dies und jenes ist nicht funktional, deshalb arbeiten wir hier und daran um es zu verbessern,...“ o.ä. dazu schreiben....aber leider fehlt den meisten überhaupt das Wissen dazu, traurig eigentlich.....

 


Dieser Beitrag wird keine "Ausbildungsanleitung", sondern er soll zur Aufklärung für den Otto normal Verbraucher dienen, zu erkennen was funktional richtig und wichtig fürs Pferd und was es eben nicht ist!
Die Ausbildung selbst ist vielschichtig, erfordert viel Zeit und ein geschultes Auge sowie viel Gefühl und Timing um die unterschiedlichen richtigen und für jedes Pferd quasi einzigartigen Hilfen zu geben!

Ein paar Worte von mir vorweg:
Die Piaffe ist sehr individuell, ein Ergebnis des gesamten Ausbildungswegs, keine reine Einzellektion die der Show/Vermarktung/etc dienen sollte!
Sie ist weitaus mehr als das imitieren eines Bremsenstiches auf Hottas Arsch, festhalten vorne, unbedacht Druck aufbauen, etc...
Das Pferd muss die Piaffe verstehen, die vielen einzelnen Puzzleteile ausführen und zusammen setzen können!
Die Piaffe ist energievoll, kräftig, leise, langsam, ruhig, leicht und weich zugleich, ein Gefühl!
Dies sollte auch der Ausbildungsweg sein um im Pferd - ich vergleiche es gerne mit der Geschmeidigkeit, Energie, Ruhe und Kraft einer sich der Beute anschleichender Katze - die nötigen Feinheiten zu erhalten um eine Piaffe überhaupt korrekt Ausbilden zu können!
Ohne innere Verbindung und Kommunikation zwischen Mensch und Pferd ist niemals eine wirkliche Piaffe möglich, beide müssen feinste Schwingungen wahrnehmen, minimale Verständigungsimpulse aufnehmen, richtig interpretieren und umsetzen können, jedes zu viel zerstört!

Die Piaffe ist kein zusammengestauchter Trab auf der Stelle, sie beinhaltet alle Gangarten und ein vorwärts aufwärts am Platz! Wer dies nicht erkennt, oder auch ein vorwärts (und aufwärts) zb im Schritt oder den Seitengängen nicht sieht, herstellen kann oder gar mit Tempo (und abwärts) verwechselt kann meiner Meinung nach auch keine korrekte Piaffe kreieren!

Woran erkenne ich also zB eine gute Piaffe?
- sie ist wie gesagt ruhig, leicht, leise
- sie ist gleichmäßig und taktrein
- sie lässt uns die Kraft des Pferdes sehen und spüren
- das Pferd kann unmittelbar aus ihr heraus alles mögliche andere tun

 

  • alle Gelenke werden gebeugt, federn, vgl mit Kniebeugen
    - das Genick ist der höchste Punkt, die Kruppe der tiefste
    - die Kruppe bewegt sich abgesenkt geschmeidig hin und her
    - die Zügel können hingegeben werden ohne eine Veränderung beim Pferd zu bewirken
    - der Rücken des Pferdes hebt den Reiter durch Muskelanspannung kraftvoll an, lässt ihn weich und ruhig sitzen
    - das Pferd atmet, kaut und schnaubt
    - der Reiter kann sein Pferd in der Piaffe locker bewegen, einzelne Partien ansteuern und beeinflussen
    -

    Und woran erkenne ich eine schädigende Piaffe?
    - sie ist taktunrein, unregelmäßig, hat einen lauten Hufklang
    - ein hartes, festgehaltenes Pferd
    - die Vorderhand ist vor oder rückständig
    - die Hinterhand ist steif unter den Bauch gestreckt oder arbeitet nach hinten heraus
    - die Kruppe bewegt sich nicht oder hüpft nach oben
    - Kopf tief/hinter der senkrechten, am Zügel festgehalten, ausgebunden
    - der Rücken hängt durch, lässt den Reiter einsinken
    - das Pferd zeigt (dauerhaft) Unmutsäußerungen
    - der Reiter hat schwierigkeiten das Pferd auf der Stelle zu halten oder Bewegungen zu erhalten
    - das Pferd ist blockiert, kann zb von der vermeintlichen Piaffe nicht ohne Verzögerung oder stocken in den Schritt oder Galopp oder ins Rückwärts wechseln
    - man spürt keine Energie sondern Stress
    -



    Jedes Pferd kann sie, jedem Pferd tut sie gut!
    Just do it - aber mit bedacht und richtig!
    Lg, Pia Paul


    Foto 1:
    Momentaufnahme einer Piaffe mit meinem Friesen Jan, 8 Jahre alt.
    Perfekt und unperfekt zugleich:
    - trotz des Bergabfallenden Geländes zeigt er eine deutliche Bergauftendenz!
    - abgesenktes Becken, gehobener Rumpf, Nase vor der senkrechten, usw.
    - grundsätzlich gibts zu ihm nicht viel zu sagen, jeder der den restlichen Beitrag gelesen hat sollte alles selbst erkennen können
    - viel gibts jedoch zu meinem Sitz zu sagen: denn ich helfe ihm damit enorm die Piaffe richtig zusammenzusetzen und auszuführen:
    1.mein Becken hebt sich locker sehr nach vorne oben um ihm den Weg zu zeigen, sich mit der gesamten Vorhand real zu heben und nicht nur seinen Hals/Kopf (sicherlich ist ein sorgfältiger Grundausbildungsweg der Schlüssel dafür, nicht nur mein Sitz, aber dieser verändert die Details in der Piaffe!)
    2.mein Gewicht ist sehr nach hinten verlagert, liegt an dem Bergab fallendem Gelände (vgl Rucksack!) und um ihn an/mit meinem Sitz auf der Stelle zu halten, denn
    3. ich benötige meine Hände dafür; via Zügel an der Halsbasis und etwas auf unterschiedlicher Höhe; sein Gewicht gleichmäßig auf beide Schultern zu verteilen (Schiefen auszugleichen) und ihn in sich komplett gerade zu richten (Herausforderung wg leichter Skoliose und Schlangentyp mit geringem Muskeltonus bei Ihm) für eine maximale vertikale Entfaltung, die mich ruhig und leicht ohne Kraft und Anspannung sitzen und einwirken lässt.
    Das offene Maul ist nicht aufgerissen sondern am kauen!

    Foto 2:
    Selbes andere Hand, schön zu sehen ist hier das rückständige Vorderbein, daher kommend da ich zb mein Becken nicht öffne weil ich in dem Moment mit dem Körper zu weit vorne bin, ich finde man sieht einfach das im Gesamtbild ein Bruch ist und die Harmonie durch diese leichte Störung fehlt...

    Foto 3:
    Vergleich letzter Piaffetritt und sofortiges Stoppen daraus, schön erkennt man hier die unterschiedlichen Kruppen- und Widerristhöhen!

 

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